Nach einem erfolgreichen Ausbau der multi-standard Schnelllade-Infrastruktur in Großbritannien, hat die EU nun weitere Gelder für ähnliche Projekte im europäischen Raum bereitgestellt. Eines dieser Projekte sieht den Bau von zwei Schnellladetrassen durch Deutschland vor. Eine Trasse führt von den Niederlanden nach Schweden (wahrscheinlich A1 bis Hamburg und dann A7), die zweite Trasse soll die Niederlande mit Österreich verbinden. Diese wird vermutlich entlang der A3 bis Nürnberg und dann über die A9 bis Österreich führen. Erlangen wäre somit direkt an diese Verbindung angeschlossen.

Dieses Projekt wird von der niederländische Firma Fastned durchgeführt, die bereits ein ähnliches Netz im schönen Land der Tulpen und des Käses errichtet hat. In einem persönlichen Gespräch mit einem Fastned-Mitarbeiter wurde mir zudem versichert, dass diese Säulen die drei großen Schnellladesysteme (50kW CHAdeMO und CCS sowie 43kW AC) unterstützen werden. Im Gegensatz zu den ChargeNow-Säulen entlang der A9, die ja bekanntlich nur einen Schnellladestandard für VW und BMW-Fahrzeuge unterstützen, sind nun auch wirklich alle Schnellladefähigen Elektroautos in der Lage, von dieser Trasse zu profitieren*. Zum Vergleich – während man an einer heimischen Schuko-Steckdose mit etwa 3kW Leistung ca. 20km Reichweite pro Stunde laden kann, sind es bei diesen Säulen mit einer Leistung von 50kW bereits 350km pro Stunde. Oder anders gesagt – die meisten, derzeit erhältlichen Elektroautos wären nach ca. 25 Minuten wieder zu etwa 80% aufgeladen.

Eine weitere, erfreuliche Nachricht betrifft das Abrechnungssystem. Einige Mitglieder unseres Vereins haben ja bereits ihre Visitenkarten-Portemonnaies aus den 80er Jahren reaktiviert, um die Ladekarten aller deutschen Anbieter verstauen zu können:

Brieftasche

Nicht so bei Fastned. Den geladenen Strom wird man ganz einfach per EC-Karte bezahlen können – eine erfrischend naheliegende Lösung wie ich finde. Eine zusätzliche Smartphone-App, wie sie derzeit auch in den Niederlanden verwendet wird, könnte hinzukommen.

Wann die erste Säule steht konnte man zwar noch nicht sagen, aber es wird mit Hochdruck daran gearbeitet. Zur Verwendung kommen ABB-Säulen, welche technisch bereits zertifiziert sind, so dass hier von regulatorischer Seite keine Verzögerungen zu erwarten sind. Es geht wohl derzeit eher um lokale Konzessionen mit Raststätten und Autohöfen entlang der Trasse. Man rechnet seitens Fastned zeitlich aber eher in Wochen als in Monaten.

Wir drücken die Daumen!

*Zwar wird das Tesla-Superchargersystem nicht direkt unterstützt, über einen Adapter können die Besitzer eines solchen Fahrzeugs jedoch den CHAdeMO-Anschluss mit 50kW, also in voller Leistung nutzen. Vermutlich werden sie aber das Tesla eigene Ladenetz bevorzugen, da sie hier kostenlos mit bis zu 135kW (theoretisch ca. 900km pro Stunde) laden können.

Trasse
Quelle: Fastned.nl